26.09.2022
Es war ein Rassismus-Vorfall in einem Eigenbetrieb der Stadtverwaltung Schwäbisch Gmünd, der im Frühjahr 2020 den Anstoß für die Kooperation der Stadtverwaltung mit dem Projekt klever-iq gab und nun dazu geführt hat, dass die Stadt Schwäbisch Gmünd ein innovatives Modell für den Umgang mit Beschwerden wegen Diskriminierung und Mobbing entwickelt hat.
Bereits bei den ersten Gesprächen zwischen Haupt- und Personalamt und klever-iq wurde klar, dass es nicht nur darum geht, für diesen einen Fall eine Lösung zu finden, sondern den Umgang mit Diskriminierung und Mobbing grundsätzlich neu aufzustellen.
Ausgangspunkt ist dabei, dass Diskriminierung nicht erst dort beginnt, wo offene und eindeutige Beleidigungen oder Mobbing passieren. Auch in vielen subtilen Alltagssituationen ist Diskriminierung für die Betroffenen spürbar. Entscheidend ist dabei nicht die Absicht, mit der eine Handlung ausgeführt wurde, sondern die Wirkung auf die Betroffenen.
Keine Institution kann davon auszugehen, damit nichts zu tun zu haben. Daher geht es vor allem darum, ein Klima zu schaffen, in dem Rassismus und Diskriminierung besprechbar werden. Ziel war es, das Thema Rassismus und Diskriminierung auf eine Art und Weise anzugehen, die die Stadtverwaltung und ihre Belegschaft stärkt, ein gemeinsames Bewusstsein sowie auch die notwendige Kompetenz zur Vermeidung von Diskriminierung weiterzuentwickeln.
Die Stadtverwaltung will ein Vorbild für andere Behörden, Unternehmen und Institutionen der Zivilgesellschaft sein und sieht in einem professionellen Umgang mit Diskriminierung auch einen notwendigen Schritt zur Gewinnung ausländischer Fachkräfte.
Eine Projektgruppe erarbeitete mit Unterstützung von klever-iq eine neue Dienstvereinbarung. Die Gruppe aus verschiedenen für Diversitythemen zuständigen Mitarbeitenden und Vertreter*innen des Personalrates wurde koordiniert von der Personalamtsleitung Claudia Kohler und der Beauftragten für Chancengleichheit Elke Heer. Begleitet wurde der Prozess von Qualifizierungen für alle Führungskräfte vom Oberbürgermeister bis zur Abteilungsleiterin.
Die so gefundene neue Beschwerdestruktur besteht aus zwei Angeboten. Die gesetzlich vorgeschriebene Beschwerdestelle (§13 AGG) ist bei der Rechtsabteilung angesiedelt. Daneben gibt es ein zusätzliches niederschwelligeres Beratungsangebot für Mitarbeitende, die Diskriminierung oder Mobbing erfahren. Dafür wird eine Gruppe von Beauftragten und Vertreter*innen des Personalrats geschult. Diese Beratungsstelle kann Menschen dabei unterstützen, zu klären, welche Schritte der Beschwerde sie gehen wollen und welche, auf Wunsch unterhalb der Ebene einer offiziellen Beschwerde, auch zur Schlichtung beitragen. Zudem ist die Gruppe zuständig für präventive Maßnahmen.
Die Dienstvereinbarung wurde am 18.07.2022 bei einer Personalversammlung von dem Vorsitzenden des Personalrats Matthias Pflüger, dem Oberbürgermeister Richard Arnold und dem Berater von klever-iq Andreas Foitzik den Mitarbeitenden vorgestellt. Klever-iq wird die Projektgruppe weiter begleiten und Mitarbeitende der Stadtverwaltung qualifizieren.
Text: Andreas Foitzik (adis e.V. / klever-iq)
* Die Bildrechte liegen bei der Stadt Schwäbisch Gmünd