
23.06.2025
Die Qualifizierungsbegleitung an der Mannheimer Abendakademie (MAA) ist ein Projekt, das Menschen mit internationaler Berufs- oder Studienerfahrung beim beruflichen (Wieder-)Einstieg in Deutschland unterstützt. Besonders für Personen, die aus dem Ausland zugewandert sind, kann der Weg in den deutschen Arbeitsmarkt voller Herausforderungen sein – von sprachlichen Hürden über bürokratische Strukturen bis hin zu kulturellen Unterschieden. Hier setzt das Projekt an: Es begleitet individuell, fördert persönliche und fachliche Kompetenzen und bietet Orientierung in einem oft undurchsichtigen System.
Die ehemalige Teilnehmerin Ljubica Selakovic Martinovic, eine Juristin aus Serbien, hat inzwischen eine Stelle als Projektmitarbeiterin beim Interkulturellen Bildungszentrum Mannheim gGmbH in der Anerkennungs- und Qualifizierungsberatung gefunden. Hier umfasst ihr Aufgabenbereich die Anerkennungs- und Qualifizierungsberatung für Personen mit Abschlüssen aus dem Ausland. Sie erzählt im Interview mit der pädagogischen Mitarbeiterin der Qualifizierungsbegleitung der MAA, wie sie diese Zeit erlebt hat und was sie auf ihrem Weg besonders geprägt hat.
MAA: Wie haben Sie die Zeit in der Qualifizierungsbegleitung an der Mannheimer Abendakademie erlebt? Gab es besondere Momente, die Ihnen in Erinnerung geblieben sind?
Ljubica Selakovic Martinovic (L.S.M.): Als ich nach Deutschland gekommen bin, habe ich sofort gedacht: Wie gut wäre es, wenn es eine Organisation gäbe, die sowohl die persönliche als auch die berufliche Entwicklung begleitet. Ich fühlte mich zu Beginn verloren und wusste nicht, wie ich meinen Weg in meinem Berufsfeld oder einer ähnlichen Branche finden kann. Gerade Jura ist ein besonders herausforderndes Feld für Menschen mit einem Abschluss aus dem Ausland. Ich habe schnell gemerkt, dass ich hier alternative Wege gehen muss, um mich zu etablieren. Diese Flexibilität war unerlässlich, um voranzukommen.
Schließlich wurde ich durch Empfehlungen auf die Qualifizierungsbegleitung der Mannheimer Abendakademie aufmerksam. Die Zeit in der Qualifizierungsbegleitung war für mich sehr bereichernd. Es gab viele Momente, die mir in Erinnerung geblieben sind: Ich konnte meine Sprachkenntnisse durch Gespräche über den Beruf in Gruppenveranstaltungen deutlich verbessern. Wir haben intensiv an meinem Lebenslauf gearbeitet, und ich hatte zusätzlich die Möglichkeit, durch Stadtführungen, Museumsbesuche und sogar einen Schauspielkurs, der mir Selbstvertrauen im Bewerbungsprozess gegeben hat, die deutsche Kultur aus einer anderen Perspektive kennenzulernen. Ebenfalls ein besonders positives Erlebnis war der projektinterne Kurs „Systemische Beratung“. Dieser hat mir geholfen, mich besser zu orientieren und meine nächsten Schritte klarer zu sehen.
MAA: Was hat Ihnen auf Ihrem Weg besonders geholfen – sei es durch das Projekt, durch Menschen, die Sie begleitet haben, oder durch die Maßnahme bei der Anerkennungs- und Qualifizierungsberatung des ikubiz?
L.S.M.: Jeder Teil dieser Reise war wichtig – wie ein Puzzle, bei dem jedes Stück zählt. Besonders hilfreich war für mich, dass ich eine feste Ansprechpartnerin im Projekt hatte, die flexibel erreichbar war – auch ohne festen Termin. Das hat mir ein großes Gefühl der Sicherheit gegeben.
An dieser Stelle will ich auch besonders die berufsbezogenen Deutschkurse an der Mannheimer Abendakademie loben. Diese haben mich darauf vorbereitet, professionell in der Berufswelt zu kommunizieren – mündlich und schriftlich.
Bei der Anerkennungs- und Qualifizierungsberatung des ikubiz habe ich Menschen erlebt, die bereit waren, ihr Wissen zu teilen und Inhalte verständlich zu erklären. Diese Haltung hat mich sehr unterstützt. Ohne die Maßnahme beim Arbeitgeber (MAG), die ich vor Arbeitsbeginn absolviert habe, wäre das sehr viel schwieriger gewesen. Sowohl für mich wie auch für meine Kolleg*innen, die mich einarbeiten mussten.
Ich habe viele Ratschläge und Empfehlungen bekommen – besonders zur Vorbereitung auf Vorstellungsgespräche. Die Stadtführung war für mich mehr als nur ein nettes Event: Sie hat mir geholfen, mich mit der Stadt Mannheim zu identifizieren und mich hier wohler zu fühlen.
MAA: Wie haben Sie den Übergang von der Qualifizierungsmaßnahme in die feste Anstellung erlebt? Gab es Herausforderungen – und wie sind Sie damit umgegangen?
L.S.M.: Ich war unglaublich dankbar für die Möglichkeit, aber gleichzeitig hatte ich große Angst, Fehler zu machen oder kulturelle Missverständnisse zu erleben. Ich bin ein sehr perfektionistischer Mensch – was ironischerweise dazu führt, dass ich manchmal mehr Fehler mache, weil ich so unter Druck stehe. Ich denke in viele Richtungen gleichzeitig, rede aber langsamer, und das strengt mich an. Das war eine große Hürde beim Einstieg.
Aber ich habe gelernt, mir selbst mit mehr Geduld zu begegnen und mir zu erlauben, nicht perfekt zu sein – sondern Schritt für Schritt zu wachsen.
MAA: Welche Rolle spielte die persönliche Begleitung während Ihrer Maßnahme? Wie hat sie Sie in Ihrer Entwicklung unterstützt?
L.S.M.: Für mich war es entscheidend, jemanden an meiner Seite zu haben, der meine Fragen ernst genommen hat. Ich bin jemand, der viele Fragen stellt – das ist meine Art, zu lernen. Meine Begleiterin hat mir nicht nur Antworten gegeben, sondern mit mir gemeinsam überlegt. Besonders wichtig war, dass sie mich zu einem Gespräch sogar persönlich begleitet hat. Das hat mir sehr viel Sicherheit gegeben.
MAA: Wenn Sie heute zurückblicken – was bedeutet es für Sie persönlich, nun eine feste Stelle bei der Anerkennungs- und Qualifizierungsberatung zu haben? Was hat sich dadurch verändert?
L.S.M.: Für mich bedeutet es einen echten Einstieg in meinen Beruf. Es ist eine Chance, mich selbst zu prüfen und zu zeigen: Ich kann das. Ich habe dabei schon meine Maßnahme beim Arbeitgeber sehr ernst genommen. Ich bin Juristin, daher weiß ich, was es bedeutet, dass der Wortschatz einer Branche sehr spezifisch sein kann. Auch bei der Anerkennungs- und Qualifizierungsberatung des ikubiz ist der Wortschatz formell und auf hohem sprachlichem Niveau – das war eine große Herausforderung.
Ich habe mir alles aufgeschrieben: Wie läuft ein Telefonat? Wie wird ein Beratungsgespräch aufgebaut? Welche Fragen stelle ich – und in welcher Reihenfolge? Diese Struktur hat mir enorm geholfen.
Fazit: Was hat es gebracht – und was kann man daraus mitnehmen?
Das Beispiel zeigt eindrucksvoll, wie wichtig individuelle und kontinuierliche Begleitung für einen erfolgreichen Einstieg in den deutschen Arbeitsmarkt ist – gerade in anspruchsvollen Berufen mit hohen sprachlichen Anforderungen. Die Hindernisse lagen nicht nur in der Sprache oder in der Bürokratie, sondern oft auch in inneren Unsicherheiten und dem fehlenden Gefühl, ‚dazuzugehören‘.
Doch durch ein Netzwerk aus unterstützenden Menschen, praxisnahen Erfahrungen und persönlichem Engagement konnte ein Weg gefunden werden – der Mut macht und zeigt: Mit der richtigen Begleitung können selbst große Hürden überwunden werden.
Ein großes Dankeschön an Frau Selakovic für das Gespräch und ihre Bereitschaft, ihre Erfahrungen mit uns zu teilen.
Mehr Infos zur Qualifizierungsbegleitung der Mannheimer Abendakademie
Das Interview führte Lisa Reinhardt (Mannheimer Abendakademie)