
08.12.2025
Die Qualifizierungsbegleitung der Mannheimer Abendakademie GmbH (MAA) umfasste unter anderem die Überprüfung und Bewertung der Bewerbungsunterlagen sowie kultursensible Gruppengespräche, in denen die Unterschiede zwischen dem deutschen Arbeitsmarkt und den Herkunftsländern der Teilnehmenden thematisiert wurden. Viele Teilnehmende konnten im Anschluss an die Qualifizierungsbegleitung eine qualifikationsgerechte Tätigkeit finden, was einen wichtigen Schritt zur Integration in den deutschen Arbeitsmarkt darstellt. So auch die ehemalige Teilnehmerin Alla Katasanova.
Alla Katasanova ist Lehrerin aus der Ukraine und stieß 2024 zur Qualifizierungsbegleitung der Mannheimer Abendakademie. Heute arbeitet sie an der Freien Interkulturellen Waldorfschule, wo sie in der Nachmittagsbetreuung tätig ist. Die Schule unterstützt ihre Weiterbildung zur Waldorf-Lehrerin – damit ist sie ihrem beruflichen Ziel einen großen Schritt nähergekommen.
Im Interview mit Lisa Reinhardt von der Qualifizierungsbegleitung spricht sie über sprachliche Hürden, ihren Weg in den deutschen Arbeitsmarkt und die Bedeutung von Geduld und innerem Antrieb.
MAA, L. Reinhardt: Wie sah dein beruflicher Weg in der Ukraine aus?
A. Katasanova: In meiner Heimat war ich Lehrerin und habe fünf Jahre studiert – mit einem Bachelor- und einem sogenannten „Specialist“-Abschluss. Mein Studium umfasste vor allem Philosophie, Psychologie und Pädagogik, außerdem habe ich Kunst als Fach belegt.
MAA, L. Reinhardt: Wie hast du von der Qualifizierungsbegleitung erfahren und was hat dir die Teilnahme gebracht?
A. Katasanova: Durch meine Sprachkurse an der Mannheimer Abendakademie habe ich von der Qualifizierungsbegleitung erfahren. Die Qualifizierungsbegleitung war für mich ein wichtiger Anker. Ich hatte viele Fragen und auch Sorgen ‒ vor allem, etwas falsch zu machen. Aber ich wusste: Ich kann mich jederzeit an dich, meine Beraterin, wenden, das hat mir Sicherheit gegeben.
In einer der ersten Veranstaltungen sollten wir einen Vortrag über ein Thema halten, das uns beruflich wichtig ist. Ich sprach über Schicksal. Für mich war klar: Es war Schicksal, dass ich im Projekt gelandet bin – aber es hat nur deshalb etwas gebracht, weil ich die anderen 50 Prozent selbst gegeben habe. Deshalb sage ich heute: 50 Prozent Schicksal, 50 Prozent das, was man daraus macht.
MAA, L. Reinhardt: Was waren die größten Herausforderungen beim beruflichen Übergang?
A. Katasanova: Ganz klar: die deutsche Sprache. Sie war und ist meine größte Herausforderung. Die Sprache ist das Tor und ich arbeite jeden Tag daran, es weiter zu öffnen.
MAA, L. Reinhardt: Du arbeitest jetzt an der Freien Interkulturellen Waldorfschule und machst die Weiterbildung zur Waldorf-Lehrerin. Wie kam es dazu?
A. Katasanova: Ich identifiziere mich sehr mit der Waldorfpädagogik, sie passt zu dem, was ich schon immer geglaubt habe. Mir war bewusst, dass ich weiterlernen muss, wenn ich als Lehrerin arbeiten möchte. Ab September beginne ich die Weiterbildung an der Waldorf-Akademie, damit ich künftig auch mein eigenes Fach unterrichten kann.
Ich habe das Glück, tolle Kolleg*innen zu haben. Sie waren von Anfang an positiv und offen. Manchmal habe ich trotzdem Angst, weil mein Deutsch nicht perfekt ist – aber ich gebe nicht auf.
MAA, L. Reinhardt: Wie unterstützt dich dein aktueller Arbeitgeber dabei?
A. Katasanova: Mein Arbeitgeber übernimmt die Hälfte der Ausbildungskosten – das ist eine große Hilfe. Und auch pädagogisch bringt es mir viel, dass ich schon jetzt in der Nachmittagsbetreuung an der Waldorfschule arbeite. Ich lerne jeden Tag dazu und kann das Gelernte direkt umsetzen.
MAA, L. Reinhardt: Was würdest du anderen zugewanderten Lehrer*innen raten, die in Deutschland neu anfangen möchten?
A. Katasanova: Man darf keine Angst haben, um Hilfe zu bitten. Aber man muss auch wissen: Die Unterstützung hängt stark davon ab, auf wen man trifft. Manche Berater*innen sind sehr engagiert – bei anderen muss man sich selbst weiter umsehen und die Augen offen halten. Man muss aber vor allem an sich selbst glauben.
Mein persönlicher Tipp: Setzt euch ein großes Ziel und brecht es in kleine Schritte herunter. Ich habe mir für jeden Tag ein kleines Ziel gesetzt. Das hat mir geholfen, dranzubleiben.
MAA, L. Reinhardt: Vielen Dank für das Gespräch, Alla. Wir wünschen dir weiterhin viel Erfolg auf deinem Weg!