IQ-colors

News

#neunmalklug Frage 4

neunmalklugqualifikationKönnen die was? Welche Qualifikationen bringen Zuwandernde überhaupt mit?

Natürlich können die was. Zuwandernde haben so einiges zu bieten. Im Vergleich zur hiesigen Qualifikationsstruktur fällt jedoch auf, dass in Deutschland das duale Ausbildungssystem einen hohen Stellenwert einnimmt, während  andere Länder häufig auf Hochschulbildung und/oder „training on-the-job“ setzen. So kommt es, dass die meisten der im Jahr 2014 Zugewanderten (zwischen 25 und 64 Jahren) einen Hochschulabschluss (37 Prozent) oder auch eine abgeschlossene Berufsausbildung (26 Prozent) mitbrachten, aber etwa ein Drittel (34 Prozent) ohne einen (formalen) Berufsabschluss nach Deutschland kam.[1] Mit der Fluchtmigration seit 2015 hat sich die Qualifikationsstruktur unter den Zuwandernden, entsprechend der Bildungssysteme der Herkunftsländer, weiter verschoben: Unter den Geflüchteten haben 14 Prozent ein abgeschlossenes Studium oder eine Promotion und etwa 50 Prozent einen mittleren Schulabschluss, ein (Fach-)Abitur oder eine abgeschlossene Lehre. Der Anteil von Personen über 18 Jahre ohne (Schul-)Abschluss liegt hier bei 36 Prozent.[2] Und was bedeutet das nun?

Wer einen ausländischen Berufsabschluss mitbringt, kann diesen auf Gleichwertigkeit mit einem deutschen Referenzberuf prüfen lassen. Davon profitiert momentan besonders das von Fachkräftemangel bedrohte Gesundheitswesen: Im letzten Jahr wurden die meisten Anerkennungsanträge in der Zuständigkeit des Bundes für die Referenzberufe Gesundheits- und Krankenpflegerin bzw. -pfleger, Ärztin und Arzt sowie Physiotherapeutin und -therapeut gestellt.[3] Aber auch Zuwandernde, die keinen (formalen) Abschluss vorweisen können, haben natürlich einiges gelernt. Sie verfügen oft über umfassende Berufserfahrung und entsprechendes Fachwissen. Um diese Qualifikationen besser sicht- und damit auch verwertbar zu machen, wird derzeit an Verfahren zur Feststellung von informell und non-formal erworbenen Kompetenzen gearbeitet. Und noch was: Besonders die Gruppe der Geflüchteten zeichnet sich durch einen hohen Anteil junger Menschen unter 25 Jahren aus. Durch eine Eingliederung in das deutsche Schul- und Ausbildungssystem können diese wiederum direkt deutsche Berufsabschlüsse erwerben.

Bundesweite IQ Angebote:

http://www.netzwerk-iq.de/foerderprogramm-iq/landesnetzwerke/karte.html


[1] Brücker, H. u.a. (2017): Migration und Integration. In: Möller, J.; Walwei, U. (Hg.): Arbeitsmarkt kompakt. Analysen, Daten, Fakten. (IAB-Bibliothek 363). Nürnberg, S. 130-141

[2] Brücker, H. u.a. (Hg.) (2017): IAB-BAMF-SOEP-Befragung von Geflüchteten 2016: Studiendesign, Feldergebnisse sowie Analysen zu schulischer wie beruflicher Qualifikation, Sprachkenntnissen sowie kognitiven Potenzialen. (DIW Berlin: Politikberatung kompakt 123). Berlin

[3] Bundesinstitut für Berufsbildung (2017): Auswertung der amtlichen Statistik zum Anerkennungsgesetz des Bundes für 2016. https://www.anerkennung-in-deutschland.de/media/2017-Auswertung-Amtliche-Statistik-2016.pdf

#neunmalklug Frage 3

neunmalklugInterkulturelleOeffnung

Interkulturelle Öffnung? Ist das die neueste Masche von Schlüssel-Diensten?

Nicht, dass wir wüssten! Zwar strebt interkulturelle Öffnung den Abbau von Zugangsbarrieren an, dabei geht es aber darum, die Teilhabechancen aller Menschen in unserer Gesellschaft zu erhöhen. Indem sie die unterschiedlichen Lebensformen, Interessen und Bedürfnisse aller berücksichtigen, können sich Organisationen, Institutionen und Unternehmen interkulturell öffnen. Vielfalt soll anerkannt und wertgeschätzt werden. Interkulturelle Öffnung ist ein längerfristiger Prozess der Qualitätsentwicklung und eine Querschnittsaufgabe, die in allen Arbeitsfeldern und auf allen Hierarchieebenen umgesetzt werden sollte. Dazu entwickeln Institutionen und Unternehmen bestimmte Ziele. Diese beziehen sich auf die Ebenen

  1. der Organisationsstruktur,
  2. des Personals,
  3. der Angebote, Dienstleistungen bzw. Produkte,
  4. der Kooperation und Vernetzung nach außen.

Interkulturelle Öffnung bietet viele Vorteile: Sie fördert Chancengleichheit und steigert Motivation, Identifikation und Produktivität. Die Zufriedenheit der Mitarbeitenden nimmt zu. Neue Märkte können erschlossen, neue Zielgruppen gewonnen werden. Interkulturelle Öffnung optimiert die Organisationsentwicklung – und leistet einen Beitrag zu sozialer Gerechtigkeit und zur Demokratie.

Beispiele regionaler IQ Angebote:

Beispiele bundesweiter IQ Angebote:

  • Gerne beraten und informieren Sie die IQ Teilprojekte vor Ort, wenn Sie sich für eine kulturelle Öffnung Ihrer Organisation, Institution oder Ihres Unternehmens interessieren. Wenden Sie sich direkt an das IQ Netzwerk in Ihrem Bundesland: www.netzwerk-iq.de/foerderprogramm-iq/landesnetzwerke
  • Die IQ Fachstelle Interkulturelle Kompetenzentwicklung und Antidiskriminierung stellt fachliche und praxisrelevante Informationen bereit, z. B. in Form von Veröffentlichungen und Vorträgen, Schulungen/Trainings sowie Beratungen: www.netzwerk-iq.de/fachstelle-interkultur-und-antidiskriminierung

#neunmalklug Frage 2

neunmalklugEhrenamtArbeitsmarktintegration und Ehrenamt – ein ungleiches Paar?

Die zentrale Bedeutung ehrenamtlicher Arbeit für die Integration von Geflüchteten ist unbestritten. Dabei stellt ihre Aufgabe die Ergänzung staatlichen Handelns dar. Keine Einigkeit besteht über den eigentlichen Aufgabenbereich der Freiwilligen, dies gilt insbesondere für die Unterstützung bei der Integration in den Arbeitsmarkt. So liegt diese für einige Akteure im alleinigen Zuständigkeitsbereich von Politik und Verwaltung und ist nicht über das ehrenamtliche Engagement abzudecken. Andere wiederum betrachten die Tätigkeiten von Freiwilligen als ein ganzheitliches Handlungsfeld und betonen, dass sie zum Beispiel Zuwandernde bei der Anerkennung  ausländischer Zeugnisse und Abschlüsse begleiten sowie ganz konkrete Arbeits-, Praktika- und Ausbildungsplätze bei lokalen Betrieben suchen können.
Um diese Aufgaben im Bereich der Arbeitsmarktintegration meistern zu können, müssen Ehrenamtliche ihre Kompetenzen um ein vielfältiges Wissen erweitern: Wie läuft das komplexe Anerkennungsprozedere ab? Wer darf hier mit welchem Aufenthaltstitel welcher Beschäftigung nachgehen? Wie ist das mit den Sprachkursen geregelt? Und wer zahlt was?
Diese und viele weitere Fragen beantwortet die Broschüre „Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten – Informationen für Ehrenamtliche“, die vom IQ Netzwerk Bayern – MigraNet und der IQ Fachstelle Einwanderung erarbeitet wurde. Aber auch Fortbildungen, die regional teilweise von Flüchtlingsräten und anderen im Flüchtlingsbereich tätigen Einrichtungen angeboten werden, können die Freiwilligen thematisch fit machen und sie für die administrativen und organisatorischen Anforderungen qualifizieren.
Ein Vorteil im Einsatz ehrenamtlich Tätiger ist die Nähe, die sie zu den Geflüchteten haben. Solange Angebote der Jobcenter und Arbeitsagenturen keinen aufsuchenden Ansatz verfolgen, werden Geflüchtete darüber nicht ausreichend erreicht. Freiwillige können hier als Brückenbauende fungieren und damit zu einer entscheidenden Verbesserung der Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten beitragen.
Langfristig betrachtet ist ein ganzheitlicher Integrationsansatz, der Arbeitsmarktverwaltung, Bildungseinrichtungen, Ehrenamtliche und Organisationen der Zivilgesellschaft mit einbezieht und kombiniert, unerlässlich.

Veröffentlichungen zum Thema in IQ:

Das Working Paper beleuchtet die aktuelle Debatte um die Rolle und den Stellenwert von Freiwilligenarbeit sowie die Herausforderungen, die sich diesbezüglich, nicht zuletzt für die Regelstrukturen, im Bereich der Arbeitsmarktintegration stellen. Autoren: Miguel Montero Lange und Janine Ziegler.

Im IQ Netzwerk Baden-Württemberg schulen verschiedene Projekte Eherenamtliche zur Arbeitsmarktintegratino von Geflüchteten. Weitere Informationen finden Sie hier.

#neunmalklug Frage 1

neunmalklugFrage1

Frage 1

Auf dem richtigen Weg?

Erreichen wir mit Social Media und digitalen Angeboten Migrantinnen und Migranten?

Die Macht der Sozialen Medien ist groß. Man kann mit ihnen Wahlen beeinflussen, Revolutionen anzetteln, aber auch neue Sprachen lernen. All das scheint möglich. Weltweit nutzen fast 80 Prozent der erwachsenen Internetnutzerinnen und -nutzer soziale Netzwerke.[1] Insbesondere unter den Geflüchteten sind Smartphones und Internet wichtige Instrumente und Kanäle zur Orientierung, Informationssuche und auch zur Hilfe in Notsituationen.[2] Soziale Netzwerke sind dabei ein wesentliches Medium, um mit Freunden und Familie in Kontakt zu bleiben, aber auch um Informationen und Tipps von Menschen in vergleichbaren Situationen weiterzugeben. Politik und Gesellschaft sollten hier das Potenzial erkennen, dass sich mit der Verbreitung und Nutzung mobiler, sozialer Medien neue Chancen der Kommunikation und auch der sozialen Interaktion eröffnen.
Genauso bieten Online-Plattformen, Apps oder E-Learning-Angebote im Bereich der beruflichen (Weiter-)Qualifizierung die Möglichkeit, sich vorab, von Ferne oder vor Ort, aber im eigenen Rhythmus und in allen für den Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt relevanten Bereichen zu informieren und weiterzubilden. Das Förderprogramm „Integration durch Qualifizierung (IQ)“ leistet hier einen wesentlichen Beitrag, indem es unter Nutzung des gesamten Medienspektrums sowohl Beratung und Information zu ersten Fragen der Anerkennung und Integration als auch konkrete berufsbezogene Qualifizierung und Weiterbildung bietet.

Beispiele für regionale IQ Angebote:

 Beispiele für bundesweite IQ Angebote:


[1] Pew Research Center, February, 2016, „Smartphone Ownership and Internet Usage Continues to Climb in Emerging Economies“

[2] Expertise „Wie Geflüchtete Medien nutzen“, Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft, FU Berlin, Prof. Dr. Carola Richter, Prof. Dr. Martin Emmer, Marlene Kunst, M.A. im Auftrag von Mediendienst Integration, 2016

vernetzt 4/2017

Lesen Sie Neues aus dem IQ Netzwerk Baden-Württemberg!

Zum Download


top
Das Förderprogramm "Integration durch Qualifizierung (IQ)" wird durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und den Europäischen Sozialfonds gefördert.
Logo Bundesministerium für Arbeit und Soziales Logo Europäischer Sozialfond für Deutschland Europäische Union Logo Zusammen Zukunft Gestalten
In Kooperation mit:
 
Logo Bundesministerium für Bildung und Forschung Logo Bundesagetur für Arbeit