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Von Bad Cannstatt nach Coimbra und zurück

Vitor Travassos absolvierte in seinem Heimatland Portugal eine Ausbildung im IT-Bereich. Vor zwei Jahren ging er mangels beruflicher Perspektiven nach Deutschland. Dank der Unterstützung durch die Anerkennungsberatung der Arbeiterwohlfahrt Stuttgart erhielt er schnell und reibungslos die vollständige Anerkennung seiner Ausbildung und arbeitet heute bei der IT Vision Technology GmbH in Leonberg.

Traumstrände, wilde Küsten, Korkeichen, Vinho Verde, Lissabon – Portugal ist für viele Deutsche ein Traumziel. Auch Vitor Travassos liebt seine Heimat. „Ich liebe Portugal, es ist ein wunderschönes Land. Aber es war die beste Entscheidung meines Lebens, nach Deutschland zu gehen.“ Obwohl er eine dreijährige Ausbildung zum Fachinformatiker für Systemintegration in Portugal absolvierte, waren die Job- und Verdienstchancen des 27-Jährigen in seiner Heimat nicht gerade vielversprechend. Denn auch wenn Portugal seit dem EUBeitritt vor 30 Jahren in Sachen Wirtschaftskraft kontinuierlich aufgeholt hat, gehört das Land immer noch zu den schwächeren der „alten“ EU-Staaten: Die Arbeitslosenquote liegt bei 13 Prozent, bei den 15- bis 24-Jährigen beträgt sie sogar 28,6 Prozent.

Travassos entschied, sein Glück in Deutschland zu versuchen. Zumal der Weg nach Deutschland für ihn kein Aufbruch ins Unbekannte war: Travassos hatte seine Kindheit und Jugend in Deutschland verbracht. Von seinem vierten bis zum 16. Lebensjahr lebte er im Stuttgarter Stadtteil Bad Cannstatt und ging erst nach der Mittleren Reife wieder in seine Heimat zurück.

Sprachhürden gab es für Travassos somit nicht zu bewältigen, nur die Anerkennung brauchte er noch, um in Deutschland arbeiten zu können. Mit der Anerkennungsberatung der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Stuttgart fand er die geeignete Stelle, um sich beraten zu lassen. „In Portugal wurde uns das Versprechen gegeben, dass die Ausbildung zum Fachinformatiker für Systemintegration europaweit anerkannt würde“, erinnert sich Vitor Travassos. „Man hat jedoch immer Zweifel, ob die Anerkennung wirklich so reibungslos klappt.“

Anne Seth von der AWO Stuttgart konnte Vitor Travassos schnell Entwarnung geben. „Herr Travassos hat mit uns im Januar 2015 erstmals Kontakt aufgenommen“, erinnert sich die Anerkennungsberaterin. „Bei den anschließenden Beratungsterminen hat sich schnell herausgestellt, dass es keine größeren Probleme mit der Anerkennung seiner Ausbildung geben würde und er zudem gute Chancen auf dem hiesigen Arbeitsmarkt haben würde.“

„Ich fühle mich hier in Deutschland wohl und war noch nie so zufrieden in meinem Leben!“

Vitor Travassos

Ein Selbstläufer war das Anerkennungsverfahren jedoch nicht. Im ersten Schritt identifizierten Seth und Travassos den vergleichbaren deutschen Ausbildungsberuf, den Fachinformatiker für Systemintegration. Danach galt es, alle notwendigen Unterlagen wie Zertifikate und Arbeitszeugnisse zu sichten und fehlende Dokument in Portugal nachzufordern. Als alles zusammengestellt war, reichte Travassos den Antrag bei der Industrie- und Handelskammer FOSA (Foreign Skills Approval) in Nürnberg ein, die für die Anerkennung ausländischer Ausbildungswege im Bereich Industrie und Handel zuständig ist – und hielt nur wenige Wochen später seine Anerkennung in den Händen. „Das war ein tolles Gefühl“, erinnert sich der 27-Jährige.

Insgesamt elf Monate hat der gesamte Prozess gedauert – vom Erstkontakt mit der AWO-Anerkennungsberatung bis zur vollständigen Anerkennung. Knapp 2.000 Euro investierte Travassos für Gebühren, Übersetzungen und Beglaubigungen. „Das Geld ist gut angelegt“, betont Travassos. „Ich habe keinen Cent bereut und würde alles auf jeden Fall wieder genauso machen.“

Auch Anne Seth bestätigt, dass das Verfahren schnell und reibungslos über die Bühne ging. Die Ausbildung in Portugal war klar strukturiert, zudem konnte Travassos relevante Berufserfahrung nachweisen: Er hatte nach seiner Ausbildung in einer Apotheke gearbeitet und war dort unter anderem für die IT zuständig. „Die IHK FOSA hat seine Ausbildung ohne Einschränkungen anerkannt“, berichtet Seth. „Ergänzende Qualifikationen, die häufig von Fachkräften im Rahmen der Anerkennung gefordert werden, waren in seinem Fall nicht erforderlich.“

Die Freude über den Erfolg wurde noch größer, als Travassos unmittelbar nach der Anerkennung über private Kontakte seiner Anerkennungsberaterin einen Arbeitgeber fand. Seit Dezember 2015 ist er bei der IT Vision GmbH mit Hauptsitz in Leonberg als Support Engineer tätig. Das Unternehmen hat sich auf Software für den Industrie- und Energiesektor spezialisiert und vertreibt als Microsoft Alpha Partner diverse Unternehmenslösungen. Er ist über Fernwartung, aber vor allem auch als Field Engineer vor Ort, für alle technischen Belange seiner Kunden zuständig. „Diese Arbeit macht mir sehr viel Spaß, da ich nicht nur am Rechner sitzen möchte, sondern auch gerne mit den Kunden direkten Kontakt habe.“

Bei der IT Vision Technology GmbH ist man mit Vitor Travassos hochzufrieden, wie Christian Adomat, Abteilungsleiter Professional Services, bestätigt: „Gerade in unserer Branche besteht eine riesige Nachfrage nach qualifizierten Kräften. Bei Vitor Travassos kam neben der fachlichen Qualifikation noch seine offene Art hinzu, die ihn für eine Außendienstaufgabe prädestiniert.“

Vitor Travassos ist glücklich bei seinem neuen Arbeitgeber. So ist nicht nur die Bezahlung deutlich besser als in Portugal, er kann auch seine fachspezifischen Kenntnisse – etwa im Rahmen von Microsoft-Schulungen – kontinuierlich ausbauen. „Solche Möglichkeiten sind sehr, sehr wertvoll für mich, gerade falls ich eines Tages einmal nach Portugal zurückkehren sollte“, erklärt Travassos. Im Moment gibt es jedoch keinen Anlass dafür: „Ich fühle mich hier in Deutschland wohl und war noch nie so zufrieden in meinem Leben!“ .

Über das Projekt

Die Anerkennungsberatung der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Stuttgart berät seit 2011. Die inzwischen acht Beraterinnen kooperieren mit dem Regierungspräsidium, den Handwerkskammern, der IHK FOSA in Nürnberg und anderen Institutionen, die für die Anerkennung von ausländischen Qualifikationen zuständig sind. Im Rahmen der Anerkennungsberatung können die Ratsuchenden sich auch über Qualifikationsmaßnahmen informieren, die für eine vollständige Anerkennung erforderlich sein können.


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