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Über das Meer

Lizbeth Marcos Sanchez betrieb in ihrer Heimat Kuba einen Friseursalon, heuerte dann auf einem Kreuzfahrtschiff an und landete schließlich in Mannheim. Um als vollwertige Fachkraft anerkannt zu werden, absolvierte sie eine Anpassungsqualifizierung bei der Handwerkskammer Mannheim. Heute arbeitet sie als Angestellte in einem Salon in der Mannheimer City – und ist rundum glücklich.

Wenn man Lizbeth Marcos Sanchez zum ersten Mal trifft, fallen einem drei Dinge gleich auf: ihr strahlendes Lächeln, ihr fester Händedruck und ihre violetten Haare. Und genau diese drei Dinge sind es auch, die viel über sie und ihre Geschichte erzählen. Denn, so wird im Gespräch bald klar, die gebürtige Kubanerin ist nicht nur sehr freundlich, offen und lebhaft, sie ist auch zielstrebig, weiß genau, was sie will – und sie hat eine Leidenschaft für Farben. „Ich liebe es, Haare zu schneiden“, sagt die gelernte Friseurin. „Doch noch faszinierender finde ich es, wie man mit der richtigen Farbe den Haarschnitt unterstützen kann.“

Wenn man Lizbeth Marcos Sanchez zum ersten Mal trifft, fallen einem drei Dinge gleich auf: ihr strahlendes Lächeln, ihr fester Händedruck und ihre violetten Haare. Und genau diese drei Dinge sind es auch, die viel über sie und ihre Geschichte erzählen. Denn, so wird im Gespräch bald klar, die gebürtige Kubanerin ist nicht nur sehr freundlich, offen und lebhaft, sie ist auch zielstrebig, weiß genau, was sie will – und sie hat eine Leidenschaft für Farben. „Ich liebe es, Haare zu schneiden“, sagt die gelernte Friseurin. „Doch noch faszinierender finde ich es, wie man mit der richtigen Farbe den Haarschnitt unterstützen kann.“

Dass Zielstrebigkeit nicht immer Geradlinigkeit bedeutet, beweist hingegen ihr Lebens- und Berufsweg, der sie schließlich hierher geführt hat, in den Friseursalon von Marion Anders im Herzen der Mannheimer Innenstadt. „Es war schon immer mein Traum als Friseurin zu arbeiten“, erinnert sich Sanchez. Diesen Traum verwirklichte sie sich in ihrer Heimat Kuba, machte eine Ausbildung und eröffnete, nachdem sie erste Erfahrungen als angestellte Friseurin gemacht hatte, gemeinsam mit ihrem Mann einen Salon in der Hauptstadt Havanna.

Das Geschäft lief gut, um expandieren zu können, fehlte jedoch das Geld. Aus diesem Grund entschlossen sich die beiden, als Friseure auf einem Kreuzfahrtschiff anzuheuern. Doch nach einem halben Jahr war zunächst Schluss. Sanchez und ihr Mann kehrten nach Havanna zurück, die Ehe ging in die Brüche. Während ihr Mann in Havanna blieb, ging sie wieder aufs Kreuzfahrtschiff – und lernte dort ihren heutigen Mann kennen. Sie heirateten in Havanna und im Jahr 2010 zog sie, nachdem sie insgesamt drei Jahre an Bord als Friseurin gearbeitet hatte, zu ihrem Mann nach Mannheim.

Lizbeth Marcos Sanchez „Wir brauchen Nachwuchs, um unsere Zukunft zu sichern.“

Marion Anders, Friseurmeisterin und Inhaberin des Salon Anders

„Als ich hier ankam, musste ich mich erst einmal an das Leben hier gewöhnen und habe langsam angefangen“, berichtet Sanchez. Sie nahm einen Minijob in einem Friseursalon an, belegte Sprachkurse und kümmerte sich um ihren kleinen Sohn. Die Arbeit machte ihr Spaß, aber irgendwann wurde ihr klar, dass sie sich weiter qualifizieren und ihre Ausbildung anerkennen lassen wollte. „Wissen Sie, ein schönes Gesicht geht irgendwann vorbei und dann ist es wichtig, dass man etwas vorweisen kann“, sagt sie und lacht.

Mit ihrem Anliegen wandte sie sich an die Handwerkskammer (HWK) Mannheim Rhein-Neckar-Odenwald, die im Rahmen der Anpassungsqualifizierung Fachkräfte mit ausländischen Ausbildungsabschlüssen berät. Was dann folgte, war ein Prozess, der wesentlich weniger sperrig und bürokratisch ist, als es zentrale Begriffe wie „Gleichwertigkeitsfeststellung“, „Berufsqualifikationsfeststellungsgesetz“, „Qualifikationsanalyse“, vermuten lassen. „Wir beraten jeden, der zu uns kommt individuell und analysieren von Fall zu Fall, inwieweit die Qualifikationen und Kompetenzen, die die Fachkräfte im Ausland erworben haben, mit unseren hiesigen bzw. deutschen Ausbildungsinhalten vergleichbar sind“, erklärt Mitra Yasmin Nekoui, die bei der HWK für die Umsetzung und Durchführung von Anpassungsqualifizierungen zuständig ist.

In Lizbeth Marcos Sanchez’ Fall bedeutete dies, dass zunächst sämtliche berufliche Unterlagen und Dokumente aus Kuba gesichtet und beurteilt wurden. Zudem überprüften die Ausbilder an der der HWK angeschlossenen Bildungsakademie (BiA) die fachlichen Kompetenzen der Friseurin. Im nächsten Schritt stellte die damalige HWK-Beraterin gemeinsam mit Sanchez die Anpassungsqualifikation zusammen. „Frau Sanchez legte zum Beispiel großen Wert auf das Thema Coloration“, erinnert sich Nekoui. „Dieser Bereich ist bei uns sehr umfangreich, in der kubanischen Ausbildung spielt er aber kaum eine Rolle.“

„Die Anpassungsqualifizierung folgt dem dualen Ausbildungsprinzip mit theoretischem Unterricht und betrieblicher Praxis“, erläutert Mitra Yasmin Nekoui. Was also noch fehlte, war ein Friseurbetrieb, bei dem Sanchez den praktischen Teil ihrer Qualifizierung absolvieren konnte. Diesen Betrieb fand sie in Marion Anders’ Salon, in dem sie im Mai 2014 anfing. Insgesamt ein Jahr dauerte es, bis Sanchez im Juli 2015 die vollständige Anerkennung als Gesellin im Friseurhandwerk in den Händen hielt. „Das war ein toller Moment“, erinnert sie sich und lacht, zumal sie die Mehrfachbelastung aus Unterricht, Arbeit im Salon, Sprachkursen und Familie erfolgreich gemeistert hatte.

Auch Marion Anders war beeindruckt und darüber hinaus so zufrieden mit ihrer neuen Kraft, dass sie Sanchez gleich als Angestellte übernahm. „Ich war damals auf der Suche nach einer Fachkraft mit Erfahrung und Lisbeth Sanchez hat sich als genau die richtige Wahl herausgestellt“, betont die Friseurmeisterin. Sie findet das Projekt der HWK uneingeschränkt gut. „Die Bemühungen der HWK, die ausländischen Fachkräfte möglichst reibungslos und unkompliziert in unser System zu integrieren, werden für uns als Friseurbetrieb immer wichtiger werden“, weiß Anders. „Wir brauchen Nachwuchs, um unsere Zukunft zu sichern.“

Sanchez hat inzwischen ihren festen Platz in Anders’ vierköpfigem Team. Die Kunden schätzen ihre Offenheit und ihre Freundlichkeit. Zudem spricht sie neben Spanisch und einem inzwischen sehr guten Deutsch auch Englisch und Italienisch. „Für eine multikulturelle Stadt wie Mannheim ist das natürlich perfekt“, freut sich Anders. „Darüber hinaus bringt sie aufgrund ihrer Erfahrung und ihres kulturellen Hintergrunds auch neue Ideen in den Salon. Davon profitieren sowohl wir als auch unsere Kunden.“

Über das Projekt

Im Rahmen des Projektes „Anpassungsqualifizierung in dualen Berufen“ begleitet die HWK Mannheim Rhein-Neckar-Odenwald handwerkliche Fachkräfte mit ausländischen Qualifikationen bei der Anerkennung des Abschlusses. Ziel ist, die Migrantinnen und Migranten in den Arbeitsmarkt zu integrieren und ihnen berufliche Perspektiven zu eröffnen, die auf ihren Fähigkeiten und Qualifikationen anknüpfen.


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Das Förderprogramm "Integration durch Qualifizierung (IQ)" wird durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und den Europäischen Sozialfonds gefördert.
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