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Perfekt präpariert

Die Freiburg International Academy (FIA) bereitet medizinische Fachkräfte auf die zur Erteilung der Approbation erforderlichen Prüfungen vor. Auch Ekaterina Kasatkina halfen diese Fortbildungen auf ihrem Berufsweg in Deutschland. Heute hat die russische Radiologin eine Stelle als Assistenzärztin am Universitätsklinikum Heidelberg.

Manchmal vermisse ich den Hype von Moskau“, antwortet Ekaterina Kasatkina auf die Frage, was ihr in ihrer neuen Heimat fehlt, und lacht. Heidelberg findet sie schön, aber im Vergleich zur russischen Megastadt doch beschaulich. Gleichwohl hat die 28-Jährige den Schritt ins Ausland nicht bereut. Seit April 2015 ist sie als Assistenzärztin in der Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie des Universitätsklinikums tätig. Doch bevor sie diese Stelle bekam, musste sie einige Hürden überwinden.

Für die Approbation in Deutschland drückte die Radiologin mit Moskauer Hochschuldiplom noch einmal die Schulbank. Es galt, Sprachtests zu bestehen, aber auch eine medizinische Prüfung nachzuholen. Denn wie alle Kolleginnen und Kollegen aus Nicht-EU-Ländern musste sie eine Gleichwertigkeitsprüfung ablegen. An der Freiburg International Academy erwarb sie das notwendige Wissen dafür. „Mein Studium lag schon ein paar Jahre zurück. Da war es nicht so einfach, die Anerkennungsprüfung zu absolvieren.“

Seit 2011 bildet die Institution ausländische Ärztinnen und Ärzte fort, um ihnen zu helfen, die erforderlichen Prüfungen zur Anerkennung ihrer Berufe zu bestehen und ihnen den Neustart an einer deutschen Klinik zu erleichtern. Die Probleme, die sich ihnen stellen, hat Dr. Nabeel Farhan, der ärztliche Projektleiter, am eigenen Leib zu spüren bekommen. „Ich habe erlebt, wie schwierig es ist, Fuß zu fassen“, sagt der in Mekka geborene Facharzt für Neurochirurgie. Seine Kenntnisse und Erfahrungen nutzte er und konzipierte ein umfassendes Programm zur Integration ausländischer Ärztinnen und Ärzte in Deutschland.

Mit großem Erfolg: Inzwischen starten in Freiburg und Heidelberg jeweils vier Kurse im Jahr. Das komplette Programm dauert 15 Monate und ist modular aufgebaut. Es gelang, die Durchfallquote der Gleichwertigkeitsprüfung von 70 auf 10 Prozent zu senken. Zentraler Bestandteil dieses Programms sind die allgemeinen und fachlichen Sprachmodule. „Die Sprache ist selbstverständlich wichtig, damit die Teilnehmenden unseren Fachseminaren folgen können, die von Professoren der Universitäten Freiburg und Heidelberg geleitet werden“, betont Farhan. Wer wie Ekaterina Kasatkina schon Deutsch spricht, hat die Möglichkeit, gleich eine Stufe höher einzusteigen und sich der medizinischen Fachsprache und anschließend den medizinischen Fachseminaren zu widmen.

Die Radiologin hatte Deutsch bereits 2013 während eines viermonatigen Stipendiums gepaukt und das fortgeschrittene Level B2 erreicht. Damals schrieb Kasatkina an ihrer Dissertation zum Bauchspeicheldrüsenkrebs und lernte als Wissenschaftlerin das Universitätsklinikum Heidelberg kennen. „Ich habe gesehen, dass das medizinische Niveau hier höher ist“, versichert sie. Während in Russland eine Fachausbildung in zwei Jahren abgeschlossen ist, dauert sie in Deutschland je nach Disziplin fünf oder sechs Jahre. Für die Tochter einer Radiologie-Professorin war schnell klar, dass sie ihre Kompetenzen erweitern wollte. Denn gerade in ihrem Fach sind analytische Fähigkeiten und umfassendes Wissen über die Erscheinungsformen von Krankheiten gefragt. „Die Chance, meine Weiterbildung abzurunden, war für mich der Grund, nach Heidelberg zu kommen.“

Am Universitätsklinikum Heidelberg werden qualifizierte Kräfte wie Ekaterina Kasatkina mit offenen Armen empfangen. „Ob sie aus Russland, Ungarn, Kolumbien, der Ukraine oder aus dem Oman kommen, sie bereichern uns nicht nur inhaltlich, sondern auch – und vor allem – menschlich“, betont der Leiter der Radiologischen Klinik, Professor Hans-Ulrich Kauczor. „Sie bringen uns häufig dazu, unsere oftmals stark regulierten Abläufe zu hinterfragen.“ Auch die Moskauer Radiologin hat ihren beruflichen Neustart nicht als Kulturschock empfunden, im Gegenteil: „Während man sich in Russland in einer Grauzone bewegen kann, ist hier alles klar und transparent. Das ist für mich besser.“

„Ohne die Academy geht nichts.“

Ekaterina Kasatkina

Die Freiburg International Academy hat ihr den Weg in diese Arbeitswelt geebnet auch dank des Unterrichts in medizinischer Fachsprache. „Ohne die Academy geht nichts“, sagt die junge Ärztin. Professor Kauczor schätzt das Konzept des Programms ebenfalls: „Als besonderen Vorzug des Vorbereitungskurses möchte ich die Vermittlung der fachsprachlichen Kenntnisse und der Fähigkeit, sich auch im Patientengespräch richtig und verständlich auszudrücken, hervorheben.“

Über das Projekt

Die Freiburg International Academy bietet ausländischen Ärztinnen und Ärzten einen modular aufgebauten 15-monatigen Lehrgang. Die ersten neun Monate erwerben die Teilnehmenden Deutschkenntnisse auf dem B2-Level. Darauf aufbauend vermittelt das zweite dreimonatige Modul fachsprachliche und kommunikative Kompetenzen als Vorbereitung auf die obligatorische Fachsprachprüfung. Das letzte dreimonatige Modul legt den Fokus auf die medizinischen Kenntnisse und Fertigkeiten als Vorbereitung auf die obligatorische Gleichwertigkeitsprüfung.


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