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Das Netzwerk der Chefinnen

Bozica Kolundzic betreibt zwei Tankstellen im Raum Mannheim. Seit Juni 2015 engagiert sie sich im Internationalen Businessnetzwerk für Frauen, das vom Interkulturellen Bildungszentrum (ikubiz) in Mannheim ins Leben gerufen wurde.

Autos, Motoren und Benzin – Tankstellen galten lange Zeit als Männerdomäne. Das hat sich inzwischen ebenso gewandelt wie das Tankstellengeschäft insgesamt: Stationsbetreiber und -betreiberinnen verdienen heute ihr Geld vor allem mit Kaffee, Croissants, Energy Drinks, Zigaretten und Autowäsche. Die Gewinne aus dem Kraftstoffverkauf gehen größtenteils an die Mineralölgesellschaften, der Anteil der Stationsbetreiber deckt in der Regel gerade einmal die Stromkosten.

„Eine Station ist eine Kombination aus Supermarkt, Bistro und Tankstelle“, sagt Bozica Kolundzic, die zwei Jet-Tankstellen in Mannheim und in Viernheim betreibt. Entsprechend anspruchsvoll ist der Job. Eine 60- bis 70-Stunden-Woche ist da die Regel. Nur am Wochenende lasse sie es etwas ruhiger angehen, sagt Kolundzic, da arbeite sie nur halbtags. „Wer eine Tankstelle betreiben will, muss eben mit ganzem Herzen dabei sein und voll dahinterstehen!“, sagt Bozica Kolundzic und strahlt dabei so, dass erst gar keine Zweifel aufkommen, bei ihr könne das nicht der Fall sein.

Mit ihrem Job als Stationsunternehmerin hat sich Kolundzic einen Traum erfüllt. Nach ihrer Ausbildung als Einzelhandelskauffrau bei Karstadt begann sie nach Feierabend als Aushilfe an einer Tankstelle zu jobben. Die Arbeit dort gefiel ihr so gut, dass sie ihren Warenhausjob aufgab und zehn Jahre lang als Vollzeitkraft an der Station arbeitete. Im Jahr 2011 wagte sie schließlich den Schritt in die Selbstständigkeit und übernahm eine Jet-Tankstelle in Fürth im Odenwald. Als sich ihr zwei Jahre später die Möglichkeit bot, in Viernheim eine Station zu übernehmen, musste sie nicht lange überlegen. Die südhessische Kleinstadt liegt zum einen in der unmittelbaren Umgebung ihrer Heimatstadt Mannheim, zum anderen war der Standort ausgesprochen attraktiv. Im Jahr 2015 kam dann die zweite Station in Mannheim hinzu. Sie beschäftigt insgesamt 23 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, in Viernheim hat sie eine Stationsleitung angestellt, in Mannheim leitet sie selbst die Station und ist inzwischen auch Ausbildungsbetrieb mit einem Azubi.

„Wir laden zu unseren Treffen, die etwa alle acht Wochen stattfinden, auch regelmäßig Vertreterinnen von Institutionen ein, die Unternehmerinnen und Führungskräfte unterstützen können.“

Püren Simsek, ikubiz

Da sie als vielbeschäftigte Unternehmerin in ihren Anfangsjahren kaum Zeit gefunden hatte, sich mit anderen auszutauschen, war Bozica Kolundzic neugierig, als sie vom Internationalen Businessnetzwerk für Frauen erfuhr, das das Interkulturelle Bildungszentrum (ikubiz) in Mannheim initiiert hatte. Gleich beim ersten Netzwerktreffen war sie dabei und fühlte sich gut aufgehoben. „Ich hatte sofort Kontakt zu anderen Unternehmerinnen aus ganz unterschiedlichen Branchen“, berichtet Kolundzic. „Man blickt so über den eigenen Tellerrand hinaus und kann sich zudem über ganz konkrete Themen, wie etwa Ausbildung oder Personal, austauschen.“

Der Austausch zwischen Unternehmerinnen und weiblichen Führungskräften ist eines der Ziele des Businessnetzwerks, das sich vor allem an Frauen mit Migrationshintergrund richtet. „Wir laden zu unseren Treffen, die etwa alle acht Wochen stattfinden, auch regelmäßig Vertreterinnen von Institutionen ein, die Unternehmerinnen und Führungskräfte unterstützen können“, berichtet Püren Simsek, die beim ikubiz das Netzwerk betreut. So haben sich etwa die Arbeitsagentur oder die Wirtschaftsförderung der Stadt Mannheim vorgestellt. Gerade bei Unternehmerinnen und Führungskräften aus der Migrantenökonomie gebe es nicht selten Hemmungen, öffentliche Institutionen zu kontaktieren, erläutert Simsek. Oder es fehle einfach das Wissen um die vorhandenen Angebote. „Auf unseren Treffen haben die Frauen die Möglichkeit, Mitarbeiterinnen dieser Institutionen persönlich kennenzulernen. Das baut zum einen Hemmschwellen ab, zum anderen lernen auch die Institutionen die besondere Situation der migrantischen Unternehmerinnen besser kennen.“

„Ich hatte sofort Kontakt zu anderen Unternehmerinnen aus ganz unterschiedlichen Branchen.“

Bozica Kolundzic

Christiane Ram, Leiterin des Fachbereichs Wirtschaftsförderung bei der Stadt Mannheim, kann dies nur bestätigen. „Wir als Wirtschaftsförderung der Stadt Mannheim haben gern den Kontakt im Rahmen eines Netzwerktreffens genutzt“, betont Ram. „Wir konnten so die Teilnehmerinnen nicht nur persönlich kennenlernen, sondern sie auch über die Angebote der Wirtschaftsförderung für Unternehmen in Mannheim informieren.“ Die Wirtschaftsförderung, so Ram weiter, unterstütze Unternehmen in vielen Fragen – von der Gründung über Standortsuche und Förderung bis hin zur Hilfe bei der Rekrutierung von Fachkräften. „Wir können so zeigen, dass in der Stadtverwaltung Menschen tätig sind, die sich der unterschiedlichsten Belange aufgeschlossen annehmen, und damit auch den Zugang zur städtischen Verwaltung erleichtern.“

Für Bozica Kolundzic gab es in Sachen Kontakt mit Behörden und Institutionen allerdings keine Hemmschwellen. Sie hat seit Beginn ihrer Selbstständigkeit regelmäßig den Kontakt gesucht und weiß genau, wo sie Unterstützung bekommen kann. Für sie steht beim Netzwerk der Austausch mit anderen Unternehmerinnen im Vordergrund. Und deswegen will sie auch weiter zu den regelmäßigen Treffen gehen – zumindest soweit es ihre knapp bemessene Zeit erlaubt.

Über das Projekt

Das Internationale Businessnetzwerk für Frauen wurde im Frühjahr 2015 vom ikubiz ins Leben gerufen. Ziel des Netzwerkes ist es, die Fachkräfteentwicklung und -sicherung in Unternehmen von Migrantinnen zu fördern und den Austausch zwischen Unternehmerinnen, weiblichen Führungskräften und Institutionen zu ermöglichen. Das Netzwerk richtet sich vor allem an Frauen mit Migrationshintergrund, prinzipiell steht es aber allen Unternehmerinnen und weiblichen Führungskräften offen.


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